Fakten zur Wasserversorgung

Die Qualität ihres Trinkwassers ist den Neumarktern sehr wichtig. Die Stadtwerke Neumarkt sind sich ihrer besonderen Verantwortung in puncto Wasserqualität bewusst. So werden immer wieder Fragen zur Sicherstellung und Überwachung der Wasserqualität an uns herangetragen. Wir haben auf den nachfolgenden Seiten die wichtigsten Informationen und Fakten zusammengestellt, die Ihnen einen Überblick über die Trinkwasserversorgung der Stadt Neumarkt geben sollen. Selbstverständlich besteht für unsere Kunden die Möglichkeit, sich telefonisch oder in einem persönlichen Gespräch bei den Stadtwerken zu informieren.

Häufig gestellte Fragen

Warum wird die Erschließung von zusätzlichen Wasserressourcen notwendig?

Hierfür gibt es im Wesentlichen zwei Gründe:

Derzeit stammt das Trinkwasser für die Stadt Neumarkt aus zwei Gewinnungsgebieten. Beide  Gebiete haben mit der notwendigen Wasserentnahme zur Deckung des Trinkwasserbedarfes ihre Leistungsfähigkeit erreicht. Natürlicherweise ist eine Erhöhung der Wassergewinnung aus den Quellen Fuchsberg nicht möglich. Das Gewinnungsgebiet MISS mit seinen insgesamt 12 Trinkwasserbrunnen verzeichnet seit Jahren einen rückläufigen Grundwasserspiegel. Die Stadtwerke sind deshalb seit Mitte der 80er Jahre auf der Suche nach zusätzlichen Wasserressourcen. Mit der Beileitung von Trinkwasser aus der Laber-Naab-Gruppe, einem benachbarten Versorgungsunternehmen, wird der Übernutzung des Gewinnungsgebietes MISS entgegengetreten.

Ein weiterer wichtiger Grund für diese Maßnahme, ist die Schaffung eines zweiten unabhängigen Standbeines für die Wassergewinnung. Bisher, d.h. bis zur Fertigstellung der Verbindungsleitung Laber-Naab nach Neumarkt, besteht nur die Möglichkeit über das Gewinnungsgebiet MISS die Trinkwasserversorgung sicherzustellen. Um bei einer großflächigen Beeinträchtigung dieser Anlage auch in Zukunft die Versorgung der Stadt und des Umlandes mit Trink-, Brauch- und Löschwasser in einwandfreier Qualität und ausreichender Menge sicherzustellen, besteht die Notwendigkeit, ein unabhängiges zweites Standbein für die Wassergewinnung zu suchen und für Neumarkt nutzbar zu machen. Diese Notwendigkeit wurde mit dem Bau  der Verbindungsleitung erfüllt. Die Vorgehensweise entspricht i.Ü. dabei jedem anderen verantwortungsvoll handelnden Trinkwasserversorgungsunternehmen, ist also keine Neumarkter Besonderheit.

Wurden andere Möglichkeiten für eine zusätzliche Wassergewinnung untersucht?

Die Stadtwerke haben bereits Mitte der 80er Jahre verschiedene Möglichkeiten für eine Zusatzwassererschließung untersuchen lassen. Mehrere Gutachten und Untersuchungen wurden in Auftrag gegeben und Mitte 2000 in einem Vorentwurf zusammengeführt. Insgesamt wurden 19 Varianten untersucht. Als wirtschaftlichste und nachhaltigste Lösung für eine Zusatzwassererschließung, die zudem den Anforderungskatalog der Stadtwerke erfüllte, wurde der sog. Hallerbrunnen ins Auge gefasst und eingehender untersucht. Der Hallerbrunnen ist eine Wassergewinnungsanlage / Quelle eines benachbarten Wasserversorgungsunternehmens. Diese Möglichkeit einer Zusatzwassererschließung wurde, trotz erheblicher, ebenfalls nicht fachlich fundierter Widerstände, bis zum Jahr 2010 verfolgt. Im Laufe des Jahres 2010 ergab sich dann die Möglichkeit die Zusatzwasserversorgung über den Zweckverband Laber-Naab sicherzustellen.

Diese Möglichkeit der zukünftigen Sicherstellung der Wasserversorgung wurde zusammen mit den entsprechenden Behörden und dem Zweckverband Laber-Naab weiterentwickelt und, nach entsprechender Beschlussfassung durch den Werksenat und den Stadtrat der Stadt Neumarkt, umgesetzt.

Welche Vorteile bietet gerade der Zusatzwasserbezug von der Laber-Naab-Gruppe?

Mit dem Zweckverband zur Wasserversorgung der Laber-Naab-Gruppe wurde ein Partner gefunden, der über die entsprechende Zuverlässigkeit, technische Leistungsfähigkeit und ausreichende Wasserressourcen verfügt. Diese Gründe rechtfertigen eine solche umfangreiche Bau- und Erschließungsmaßnahme. Der Zweckverband fördert bisher jährlich rund 1,5 Mio m³ Wasser. Er versorgt rund 32.000 Kunden täglich mit Trinkwasser in einwandfreier Qualität. Aufgrund hydrogeologischer Untersuchungen des Zweckverbandes ist bekannt, dass auch in absehbarer Zeit noch genügend Wasser zur Verfügung stehen wird, um langfristig eine Teilversorgung, im Notfall sogar eine Vollversorgung der Stadt Neumarkt sicherzustellen.

Wie funktioniert zukünftig die Wasserzuspeisung vom Zweckverband Laber-Naab nach Neumarkt?

Das Wasser der Laber-Naab-Gruppe wird über eine rund 21,5 km lange Transportleitung nach Neumarkt geleitet. Diese hat einen Durchmesser von 400 mm, der Übergabepunkt von der Laber-Naab zu den Stadtwerken Neumarkt liegt bei Eichenhofen. Dort übernehmen die Stadtwerke das Wasser vom Zweckverband und leiten dieses in den neuen Zwischenbehälter Heiligenholz. Dieser besitzt einen Inhalt von 2.000 m³.  Von dort wird das Wasser im Freispiegel, d.h. im natürlichen Gefälle in die bestehende Trinkwasseraufbereitungsanlage MISS geleitet. Aufgrund der Höhendifferenz von 153 m besteht die Möglichkeit, einen Teil der im Wasser gespeicherten Energie, dies sind jährlich rund 140.000 kWh, zurückzugewinnen. Dies geschieht mittels einer Turbine, die sich in der Aufbereitungsanlage befindet. Danach wird das Wasser von der Laber-Naab-Gruppe mit dem Wasser aus dem Gewinnungsgebiet MISS im konstanten Verhältnis vermischt und in das Versorgungsnetz der Stadt Neumarkt eingespeist. Täglich werden so rund 2.750 m³ Wasser vom Zweckverband Laber-Naab dem Wasser der Stadt Neumarkt beigemischt.

 

 

 

Ist das Wasser auch zukünftig für den menschlichen Gebrauch geeignet? Kann ich das Wasser auch zukünftig uneingeschränkt trinken?

Trinkwasser ist in Deutschland das am besten überwachte Lebensmittel. Die Anforderungen an die Wasserqualität sind in der sog. Trinkwasserverordnung geregelt. Die Trinkwasserverordnung gibt die einzuhaltenden Grenzwerte, den Umfang und die Häufigkeit von Untersuchungen vor. Das Wasser des Zweckverbandes Laber-Naab und der Stadtwerke Neumarkt erfüllt heute und wird auch zukünftig allen diesen Anforderungen gerecht. Es handelt sich also um bestes Trinkwasser, das uneingeschränkt für den menschlichen Gebrauch verwendet werden kann.

Wer ist zuständig für die Kontrolle der Wasserqualität und die Einhaltung der Vorgaben aus der Trinkwasserverordnung? Wie funktioniert diese?

In erster Linie obliegt die Überwachung und Kontrolle der Wasserqualität, die Einhaltung von Grenzwerten und der sonstigen Vorgaben der Trinkwasserverordnung, dem jeweils zuständigen Wasserversorgungsunternehmen. Darüber hinaus sind die jeweiligen Gesundheitsämter und Wasserwirtschaftsämter als Aufsichtsbehörden zuständig. Diese wiederum werden von den jeweils zuständigen Landesbehörden überwacht.

Um die Trinkwasserqualität sicherzustellen, ist es notwendig, das Wasser in regelmäßigen Abständen untersuchen zu lassen und um somit auch den Nachweis zu erbringen, dass die Anforderungen der Trinkwasserverordnung erfüllt werden. Hierzu werden in einem engen Rhythmus Wasserproben von entsprechend geschultem Personal, an wechselnden Stellen des Transport- und Verteilungsnetzes entnommen und zu einem externen, entsprechend qualifizierten Labor zur Analyse gebracht. Diese Untersuchungsstelle ist zertifiziert und wird in der Liste des Landesamtes für Umwelt geführt. Über den

Rahmen der Trinkwasserverordnung hinaus werden die Anlagen der Wassergewinnung, Hochbehälter sowie verschiedene Untersuchungen an Hausanschlüssen durchgeführt. Der Umfang der Probenahme bzw. die Parameter, die untersucht werden, erfolgt bei diesen zusätzlichen Untersuchungen nach den Erfordernissen. So werden z.B. regelmäßig zusätzliche Untersuchungen auf Pflanzenschutzmittel, polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe und Medikamente bzw. deren Rückstände im Trinkwasser durchgeführt.

Welche Veränderungen in der Wasserqualität ergeben sich durch die Wasserzumischung, wie werde ich darüber informiert?

Im Zuge der Planungen für die Wasserzumischung wurden von Seiten der Stadtwerke Neumarkt frühzeitig mehrere sog. Mischwasserberechnungen in Auftrag gegeben. Diese Berechnungen zeigen zum einen, dass auch zukünftig das Wasser eine einwandfreie Qualität aufweisen wird. Bei einigen Wasserinhaltsstoffen kommt es zu einer Veränderung bei der Konzentration. Alle Wasserinhaltsstoffe liegen unterhalb der zulässigen Grenzen der Trinkwasserverordnung. Die Stadtwerke haben frühzeitig d.h. im August 2013 damit begonnen, die Bürger über die wichtigsten Änderungen zu informieren. Dies geschah mittels einer Postwurfsendung und eines Flyers, der an alle betroffenen Haushalte verteilt wurde. Darüber hinaus wurde in mehreren Zeitungsartikeln von Seiten der Stadtwerke auf die geplante Maßnahme und die Änderungen hingewiesen.

Die wesentliche Änderung bei der zukünftigen Wasserqualität ergibt sich bei der Wasserhärte. Diese Veränderung wird derzeit sehr intensiv in Neumarkt diskutiert. Aufgrund unterschiedlicher Aussagen, werden einige unserer Kunden verunsichert und unnötigerweise Ängste geschürt. Richtig ist, dass die zukünftige Wasserhärte zwischen 15 - 17 °dH liegen und damit um rund 4 - 6 °dH gegenüber heute zunehmen wird.  Die Zunahmen der Wasserhärte hat auf technische Geräte und Einrichtungen, die üblicherweise in einem Privathaushalt verwendet, bestimmungsgemäß betrieben und gewartet werden, keinerlei Auswirkungen.

Wieso ist aufgrund der Härtezunahme praktisch keine verstärkte Verkalkung zu erwarten?

Für die Härte eines Wassers sind, vereinfacht ausgedrückt, im Wesentlichen die Härtebildner Calcium und Magnesium verantwortlich. Während der Calciumanteil durch die Wasserzuspeisung nur um rund 14 % zunimmt, erhöht sich der Magnesiumanteil um mehr als 220 %. Von diesen beiden Härtebildnern ist nur der Anteil der temporären bzw. vorübergehenden Härte, für die lästigen Kalkablagerungen verantwortlich.

Diese Ablagerungen bestehen überwiegend aus Calciumhydrogencarbonat und wandeln sich bei Erhitzen des Wassers in das schwer lösliche Calciumcarbonat um. Der Anteil an Calciumhydrogencarbonat ist im Mischwasser verhältnismäßig gering, so dass der Kalkniederschlag gegenüber heute nur unwesentlich zunehmen wird.

Der Vollständigkeit halber möchten wir an dieser Stelle darauf hinweisen, dass Magnesium ein Spurenelement ist, das für fast alle Stoffwechselvorgänge im menschlichen Körper benötigt wird. Insofern stellt der steigende Magnesiumgehalt, physiologisch gesehen, eher eine Verbesserung der Wasserqualität dar.

Welche technischen Änderungen ergeben sich durch die Härtezunahme, was muss ich beachten?

Die Stadtwerke haben bereits im August 2013 über die Änderung bei der Wasserhärte informiert. Für einen durchschnittlichen Haushalt ergeben sich praktisch keine Änderungen beim Verbrauchsverhalten. Eventuell sollte die Grundeinstellung am Geschirrspüler und die Waschmitteldosierung bei der Waschmaschine   angepasst werden. Allerdings empfehlen die Stadtwerke derzeit, da sich die neue Wasserhärte im unteren Ende des Härtebereiches "hart" bewegt, die ersten Waschergebnisse abzuwarten. Erst dann sollten gegebenenfalls die erforderlichen Einstellungen am Geschirrspüler vorgenommen bzw. die Waschmitteldosierung angepasst werden.

Wir bitten an dieser Stelle um Verständnis, dass die Stadtwerke bzw. deren Mitarbeiter Einstellungen an den Geräten unserer Kunden aus Haftungsgründen nicht vornehmen können und dürfen.

Ist die Installation einer privaten Enthärtungsanlage notwendig. Warum wird das Wasser nicht zentral enthärtet?

Aufgrund der Diskussionen in den letzten Wochen, wurden einige unserer Kunden stark verunsichert. Diese ziehen nun in Erwägung, sich eine private Enthärtungsanlage zuzulegen und zukünftig das Wasser aus der öffentlichen Trinkwasserversorgung aufzubereiten. Wir weisen in solche Fälle explizit darauf hin, dass der Kauf und die Installation einer derartigen Anlage aus technischen Gründen, d.h. aufgrund der Härtezunahme, nicht notwendig sind. Die Installation einer solchen Anlage ist allein aus persönlichen Befindlichkeiten veranlasst. Die Kosten für eine Enthärtungsanlage für den Privatgebrauch liegen, je nach Art, Größe und Hersteller erfahrungsgemäß zwischen 3.000 - 4.000 €. Darüber hinaus entstehen durch den Einsatz der Geräte weitere jährliche Wartungs- und Unterhaltskosten. Durch den großflächigen Einsatz entstehen bei der Regeneration bzw. dem Austausch der eingesetzten Chemikalien zudem Umweltprobleme.

Weiterhin weisen wir auf die Gefahr der mikrobiologischen Verkeimung bei nicht bestimmungsgemäß betriebenen Enthärtungsanlagen bzw. aufgrund mangelnder, falscher bzw. fehlender Wartung hin. Ebenso besteht die Gefahr, dass sich das Wasser nicht mehr im sog. Kalk-Kohlensäure-Gleichgewicht befindet und somit korrosionsfördernd auf z.B. Rohrmaterialien der Hausinstallation wirkt.

Aus den genannten Gründen - geringe Härtezunahme, Anschaffungskosten, Umweltbelastung, fehlender technischer Notwendigkeit - besteht nach Ansicht der Stadtwerke keine Veranlassung, das Trinkwasser für Neumarkt zukünftig zentral zu enthärten. Die neue Wasserhärte von 15 - 17 °dH liegt im bayernweiten bzw. bundesweiten Durchschnitt. Einige Wasserversorgungen in Deutschland betreiben eine zentrale Enthärtungsanlage. Allerdings liegt dort, wie das Beispiel Bruchsal zeigt, mit 24 °dH die natürliche Wasserhärte z.T. erheblich höher, als zukünftig in Neumarkt. Ein weiterer Aspekt, der gegen eine zentrale Enthärtungsanlage spricht, ist der Kostenfaktor. Übereinstimmende Aussagen belegen, dass sich durch den Betrieb einer zentralen Enthärtungsanlage der Wasserpreis um 15 - 30 Cent/m³, in Abhängigkeit der Anlagengröße, verteuern müsste, um einen wirtschaftlichen Betrieb zu ermöglichen.

Eine wasserwirtschaftliche Grundlage ist auch die Ansicht, Trinkwasser soweit wie möglich naturbelassen an den Kunden abzugeben. Dies bedeutet, dass die Wasserqualität nicht durch eine beliebige Zugabe und das willkürliche Entfernen von Inhaltsstoffe verändert werden soll. Ausgenommen von dieser Philosophie sind natürlich bekannte, gesundheitsschädliche Wasserinhaltsstoffe. Diese sind aber in unserem Fall nicht vorhanden.

Verbessert der Einsatz einer Nanofiltrationsanlage die Wasserhygiene?

In Neumarkt wird vereinzelt der Einsatz einer zentralen Enthärtungsanlage, die mittels einer sog. Nanofiltration erfolgen und im Nebeneffekt, die Wasserhygiene verbessern soll,  gefordert. Eine zentrale Enthärtungsanlage ist aus den, in Punkt 10 genannten Gründen, nicht notwendig. Eine generelle Desinfektion des Trinkwassers in Neumarkt ist ebenfalls nicht erforderlich, da das Wasser die Anforderungen der Trinkwasserverordnung auch in hygienischer Hinsicht erfüllt. Anderweitige Aussagen sind schlichtweg falsch und entbehren jeglicher Grundlage.

Eine Nanofiltrationsanlage allein ist für das Entfernen von Viren und Bakterien nur bedingt geeignet. Grund hierfür ist die Betriebsweise einer derartigen Anlage. So wird, ein wirtschaftlicher Betrieb vorausgesetzt, immer nur ein Teilstrom des aufzubereitenden Wassers über die Anlage geleitet, da diese auch sonstige Inhaltsstoffe aus dem Wasser entfernt.  Bei einer 100 %-gen Aufbereitung des Wassers, müssten dann ein Teil dieser entfernten Stoffe wieder zugegeben werden. Geschmacklich würde sich das vollständig aufbereitete Wasser in Richtung destilliertes / abgestandenes Wasser verändern. Bei einer anteiligen Aufbereitung z.B. 50 / 50 wiederum wäre eine Funktion als Desinfektionsstufe nicht mehr gegeben.

Der Vollständigkeit halber sei an dieser Stelle noch der Einbau einer Ultrafiltrationsanlage aufgegriffen. Die Ultrafiltration ist aufgrund der Trenngröße der Filtereinheit nicht in der Lage, das Wasser zu enthärten, wäre aber in der Lage das Wasser zu 100 % von Bakterien und Viren zu befreien. Gleiches kann aber auch durch eine wesentlich billigere UV-Desinfektionsanlage erreicht werden.

Welche Ursachen gibt es für Inkrustationen an Rohrleitungen der Hausinstallation speziell bei schmelztauchverzinkten Rohrleitungen?

Wasserversorgungsanlagen unterliegen wie alle anderen Gegenstände Alterungs- und Verschleißprozessen. Unterschiedliche Bauteile haben dabei eine unterschiedliche Lebensdauer. Gleiches gilt für Anlagen der Hausinstallation innerhalb von Gebäuden. Aufgrund der, in der Regel langen Lebenszeit und der Zuverlässigkeit, wird dies nicht wahrgenommen. Erst wenn sich Probleme zeigen, wird man sich dieses Vorganges bewusst. So zeigt sich der Alterungs- und Verschleißprozess z.B. an Leckagen bzw. Rohrbrüchen, Verfärbungen oder einer geschmacklicher Beeinträchtigung des Trinkwassers im Zuge einer schleichenden Korrosion. Auch kann ein nachlassender Versorgungsdruck bis hin zu einem kompletten Leitungsverschluss ein Anzeichen für das Erreichen der Lebensdauer der Anlage sein.

Folgende Ursachen beschleunigen die Alterung bzw. den Verschleiß und führen zu den o.a. Problemen:

  • Mangelhafte Qualität des Werkstoffs (Materialbedingte / Werkstoffbedingte Normen)
  • Mangelhafte Installationsbedingungen (Dimensionierung DIN 1988 / T3 bzw. EN 806-3)
  • Mangelhafte Inbetriebnahme (DIN 1988 / T8 bzw. EN 805-5)
  • problematische Wasserbeschaffenheit (TrinkwV 2001)
  • Ungeeignete Betriebsbedingungen (DIN 1988 / T8 bzw. EN 805-5)
  • Falsche Materialwahl (Beurteilung DIN 50930 T 1-5 bzw. EN 12502)

Aufgabe des Planers bzw. Installateurs ist es, sich vor Errichtung einer solchen Anlage zu den 5 genannten Punkten Gedanken zu machen. Es ist deshalb erforderlich, dass diese Arbeiten von einem entsprechend qualifizierten Unternehmen, das die gültigen Regeln und gesetzlichen Bestimmungen kennt und auch anwendet, durchgeführt werden. Die örtlichen Versorgungsunternehmen führen zu diesem Zweck ein sog. Installateurverzeichnis.

Bei verzinkten Rohrwerkstoffen, die, aufgrund schlechter Erfahrungen im Warmwasserbereich nur noch beim Kaltwasser Verwendung finden, ist die Lebensdauer stärker von den genannten Kriterien abhängig, als bei anderen Rohrmaterialien. Ab 1960 wurden und werden auch teilweise noch heute verzinkte Stahlrohre verbaut, deren Qualität d.h. die Verzinkung nicht den Anforderungen der DIN 2444 entspricht. Dies führt bereits nach relativ kurzer Zeit zu den bekannten Problemen. Weitere wichtige Aspekte für die Lebensdauer der Hausinstallation, sind das Verbrauchsverhalten und die Dimensionierung der Wasserleitung. Eine zu geringe Wasserentnahme, z.B. aufgrund verstärktem Wassersparens oder ein zu groß bemessener Leitungsquerschnitt, kann zu einer übermäßigen Bildung von Inkrustationen führen. Diese zeigen sich dann in Form von Kalk- und Rostablagerungen. Die Folge des verringerten Rohrquerschnittes ist ein nach und nach spürbar nachlassender Wasserdruck an der Entnahmestelle. Diese Ablagerungen können bis zu einem kompletten Verschluss der Rohrleitung führen. Gerade schmelztauchverzinkte Rohrleitungen, bei denen eine anfängliche Ausbildung einer sog. Kalk-Rostschutzschicht erwünscht ist, sind, aufgrund der Oberflächenrauhigkeit und Materialeigenschaften, anfällig für diese Problematik. Andere, heute übliche Rohrwerkstoffe, besitzen eine glattere Oberfläche, so dass sich keine Ablagerungen an den Rohrinnenwandungen ausbilden können.

Geneigte Leserbriefschreiber bitten wir an dieser Stelle doch alle möglichen Ursachen für die Bildung von Inkrustationen ins Auge zu fassen und nicht das örtliche Wasserversorgungsunternehmen für eigene Unzulänglichkeiten vorzuverurteilen. Da sich das Neumarkter Wasser im sog. Kalk-Kohlensäure-Gleichgewicht befindet, scheidet die Wasserqualität als Ursache der geschilderten Probleme aus.

Inwieweit beeinflusst die Änderung der Wasserhärte durch den Zusatzwasserbezug von der Laber-Naab-Gruppe die Bildung von Inkrustationen in Rohrleitungen?

Für die Bildung von Inkrustationen (Verkalkung) in Rohrleitungen gelten die gleichen Aussagen wie bei allen anderen Gerätschaften im Privatbereich bzw. der Hausinstallation. Die Antworten hierzu finden Sie unter den Fragen 7 und 8.

Sind auch zukünftig meine schmelztauchverzinkte Leitungen in der Hausinstallation noch geeignet?

Die Stadtwerke Neumarkt haben im August 2013 eine Information an alle im örtlichen Installateurverzeichnis geführten Sanitärunternehmen herausgegeben. In diesem Schreiben wurde, neben den üblichen Hinweisen zur Wasserumstellung, auch darauf hingewiesen, dass zukünftig schmelztauchverzinkte Rohre und Formstücke nicht mehr im Versorgungsbereich der Stadtwerke Neumarkt eingebaut werden sollten. Bei einem bestimmten Wassermischungsverhältnis können Korrosionsprobleme bei Neuinstallationen mit diesem Rohrmaterial entstehen.

Explizit ist darauf hinzuweisen, dass diese Aussage nicht für bereits in Betrieb befindliche Anlagen gilt. Diese Anlagen sind nicht betroffen, da sich bei Einhaltung der gültigen Regeln bei Planung, Betrieb und Installation, eine sog. Kalk-Rostschutzschicht an der Rohrinnenwandung ausgebildet hat. Diese verhindert einen direkten Kontakt von Wasser mit dem Rohrmaterial.

Ab wann erfolgt die Wasserförderung von der Laber-Naab-Gruppe und was muss ich beachten?

Die dauerhafte Einspeisung von Wasser der Laber-Naab-Gruppe in das Netz der Stadtwerke Neumarkt steht kurz bevor. In einem Probebetrieb am 24. April werden die hierfür errichteten technischen Anlagen überprüft und der komplexe Prozess für den Dauerbetrieb justiert und optimiert. Das über die neu verlegte, 42 km lange Transportleitung angelieferte Wasser der Laber-Naab-Gruppe wird zunächst im Hochbehälter Heiligenholz zwischengespeichert. Von dort aus gelangt es in die Aufbereitungsanlage in der Hasenheide. Hier wird es mit dem, aus dem Missgebiet gewonnenen Grundwasser vermischt und dann über das Versorgungsnetzt der Stadtwerke Neumarkt in die Hochbehälter am Staufer Berg und am Fuße des Mariahilfbergs gefördert.

Während des Probebetriebes und der anschließenden Umstellungsphase kann es zu Schwankungen bei der Wasserqualität kommen. Diese sind nur mit speziellen Messgeräten nachweisbar und werden nach einigen Tagen abklingen bis sich ein stabiles Mischungsverhältnis einstellt. Das Trinkwasser aus der öffentlichen Wasserversorgung ist auch während der Umstellungsphase uneingeschränkt für den menschlichen Genuss geeignet. Alle Grenzwerte der Trinkwasserverordnung werden sicher eingehalten, so dass es auch während der Umstellungsphase zu keinen negativen Beeinträchtigungen  bei der Wasserqualität kommen wird.

In der örtlichen Tagespresse sind immer wieder unterschiedliche Aussagen zur Wasserhärte und zu den Auswirkungen auf Installationsleitungen und Geräte zu lesen. Welche Aussage ist richtig?

In einem Leserbrief vom 24.02.2014, der in den Neumarkter Nachrichten und im Neumarkter Tagblatt veröffentlicht wurde, wird behauptet, dass die Aussagen des Gutachters der Stadtwerke Neumarkt zur Wasserhärte, zum Kalkgehalt des zukünftigen Neumarkter Wassers und den zu erwartenden Auswirkungen schlichtweg falsch sind. Durch die Wasserzuspeisung von der Laaber-Naab-Gruppe sei, um zukünftig Probleme und unnötige Kosten für die Kunden der Stadtwerke zu vermeiden, die einzige Lösung, eine Trinkwasseraufbereitungsanlage sog. Nanofiltration zu installieren. Der Schreiber des Leserbriefes bezeichnet sich selbst als engagierter Wasserwirtschaftler, dem der Beitrag der Stadtwerke in der Tagespresse mehrfach aufgestoßen sei.

Zu diesen Aussagen nimmt der angesprochene Gutachter der Stadtwerke Neumarkt wie folgt Stellung:

Im am 24.02.2014 veröffentlichten Leserbrief wird geschrieben, dass meine Aussagen zur Zunahme von Kalkablagerungen durch die Zumischung von Trinkwasser vom Zweckverband  Laber-Naab falsch seien. Er sei vielmehr der Meinung, dass Kesselstein von der Carbonathärte verursacht würde und Calcium sowie Magnesium zur Kesselsteinbildung beitragen. Angesichts der aktuellen Entwicklung möchte ich mich dazu nun doch noch einmal ganz unpolemisch zu Wort melden:

Hier ist einiges durcheinander geraten. Es wird keineswegs Calciumhydrogencarbonat abgelagert - das hatte ich auch so nicht gesagt. Calciumhydrogencarbonat kann als Reinsubstanz unter Normalbedingungen gar nicht hergestellt werden. Vielmehr führt ein Teil der Härte, nämlich das gelöste Calcium, zusammen mit dem Hydrogencarbonat beim Erwärmen des Wassers zu unerwünschten Abscheidungen von Calciumcarbonat ("Kalkstein", "Kesselstein"), z.B. in Warmwasserbereitern.

Magnesium spielt dabei keine große Rolle. Es verhält sich wasserchemisch anders als Calcium. So ist z.B. Magnesiumcarbonat viel besser in Wasser löslich als Calciumcarbonat. Bei sehr hohen pH-Werten, aber kaum bei höheren Temperaturen, fällt daher in manchen Fällen Magnesium in Form des schwerer löslichen Magnesiumhydroxids aus, das jedoch keinen "Kalkstein" bildet. Diese Zusammenhänge spielen z.B. bei dem in Deutschland vielerorts bei Härten von über etwa 20 °dH zur zentralen Enthärtung eingesetzten Verfahren der sogenannten "Schnellentcarbonisierung" eine Rolle.

Die Konzentration an Hydrogencarbonat im Wasser (früher mit "Carbonathärte" bezeichnet) spielt nur insoweit eine Rolle, als dass ein Überangebot an Hydrogencarbonat über das sogenannte "Löslichkeitsprodukt" die Ausfällung von Calciumcarbonat verstärkt.

Die bei Abscheidung von Calciumcarbonat ablaufenden physikalisch-chemischen Vorgänge sind äußerst komplex und werden unter anderem durch das sogenannte "Calcit-Kohlensäure-Gleichgewicht" (früher "Kalk-Kohlensäure-Gleichgewicht") beschrieben. Die zugehörigen umfangreichen Berechnungen werden von Fachleuten auf der Basis der DIN 38404-10: "...Berechnung der Calcitsättigung eines Wassers" durchgeführt.

Auch beim Kochtest nach DVGW Arbeitsblatt W235-1: Zentrale Enthärtung von Wasser in der Trinkwasserversorgung - Teil 1: Grundsätze und Verfahren (Oktober 2009) wird nur die Calciumcarbonatabscheidung betrachtet. Dieser Test gibt anhand des gemessenen Konzentrationsunterschiedes zwischen Calcium "kalt" und Calcium "nach Kochen" die Calciumcarbonatabscheidung so wieder, wie der Kunde sie im Haushalt erfährt.

Wenn nun manche in Neumarkt i. d. Opf. lautstark nach einer zentralen Enthärtung durch eine Nanofiltration wie in Bruchsal (hier Enthärtung von 24 °dH auf 8 °dH) rufen, so stimmt das doch eher nachdenklich. Man kann das Bruchsaler Konzept nämlich nicht einfach unbesehen in Neumarkt i. d. Opf. (hier Härteanstieg von derzeit 11 °dH auf künftig 16 °dH) anwenden. Vielmehr ist in jedem Einzelfall bei der Festlegung des Enthärtungsziels eine Reihe von Gesichtspunkten gebührend zu berücksichtigen:

  • Zweckmäßigkeit und Notwendigkeit einer Enthärtung und ggf. Festlegung des Enthärtungsziels

  • Abwägung der Vor- und Nachteile aller zur Verfügung stehenden Enthärtungsverfahren (Langsam- und Schnellentcarbonisierung, Ionenaustauschverfahren, Nanofiltration oder Niederdruckumkehrosmose)'

  • Beachtung der korrosionschemischen Eigenschaften des Wassers vor und nach der Enthärtung

  • Verwertungs- und Entsorgungsmöglichkeiten der anfallenden Rückstände (je nach Enthärtungsverfahren: 
    F
    eststoffe, schlammhaltige Wässer, Schlämme, Konzentrate) - irgendwo muss die entfernte Härte ja bleiben!
    Investitions- und Betriebskosten

 

Wir haben in den letzten Jahren eine Reihe solcher Studien angefertigt. In einem Fall ist unser Konzept bei einer mittelfränkischen Trinkwasserversorgung bereits umgesetzt worden (Enthärtung von 24 °dH auf 16 °dH). Weitere Fälle befinden sich aktuell in der Detailplanung.

Nach meiner Ansicht trägt eine solche umfassende Studie ganz wesentlich zur Versachlichung der Diskussion bei. Nachdem ich ja offensichtlich von manchen Diskussionsteilnehmern in Neumarkt i. d. Opf. nicht als unparteiisch betrachtet werde, möchte ich mich jedoch nicht dafür bewerben.

Mein Vorschlag ist vielmehr, damit eine unabhängige Institution zu betrauen. Ich hoffe meine Ausführungen tragen zu einer Versachlichung der Diskussion bei!

Links

www.dvgw.de/wasser/
hier folgende Stichworte in der Suchfunktion: Wasserhärte / Membranfiltration / Trinkwasserverordnung / Eigenüberwachungsverordnung

www.wasserhaerte.net
Verzeichnis der Wasserhärte für Deutschland 

www.zv-laber-naab.de
Internetseite des Zweckverbandes Laber-Naab

www.bmbf.wasserfluesse.de
Wasserflüsse, Wasserbilanz und Wasserkreislauf

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